KI-Regeln in der Schweiz: Was Unternehmen jetzt wissen sollten

🕒 7 Min. Lesezeit Aktualisiert am 22. August 2026

Künstliche Intelligenz ist im Arbeitsalltag angekommen. Texte schreiben, Bilder erstellen, Informationen zusammenfassen oder Ideen entwickeln – vieles lässt sich heute mit wenigen Eingaben erledigen. Gleichzeitig taucht eine Frage immer häufiger auf: Welche Regeln gelten eigentlich für den Einsatz von KI in der Schweiz?

Ein eigenes, umfassendes Schweizer KI-Gesetz gibt es derzeit noch nicht. Der Bund arbeitet jedoch an einem neuen Regulierungsrahmen. Bis Ende 2026 soll eine Vernehmlassungsvorlage entstehen, mit der die Schweiz unter anderem die KI-Konvention des Europarats umsetzen will. Dabei geht es unter anderem um Transparenz, Datenschutz, Nichtdiskriminierung und Aufsicht.

Das bedeutet aber nicht, dass Unternehmen mit KI bisher ohne rechtliche Vorgaben arbeiten. Bereits heute gelten bestehende Gesetze auch für den Einsatz von KI. Besonders wichtig ist der Datenschutz: Das Schweizer Datenschutzgesetz ist technologieneutral formuliert und gilt deshalb auch für KI-gestützte Datenbearbeitungen.

Was bedeutet das für Unternehmen, die bereits heute KI-Tools nutzen? In diesem Beitrag erfahren Sie, was in der Schweiz aktuell gilt, welche Veränderungen geplant sind und worauf Unternehmen beim Einsatz von KI schon heute achten sollten.

Wie ist die KI-Regulierung in der Schweiz aktuell?

Bei der Frage nach KI-Regeln in der Schweiz lohnt sich zunächst ein Blick auf den aktuellen Stand. Anders als in der EU gibt es hierzulande derzeit noch keine übergreifende Gesetzgebung, die den Einsatz von Künstlicher Intelligenz umfassend regelt.

Das heisst jedoch nicht, dass KI in der Schweiz ein rechtsfreier Raum ist. Bereits bestehende Vorschriften können auch dann gelten, wenn ein Unternehmen KI für seine Prozesse einsetzt. Besonders relevant ist das Schweizer Datenschutzgesetz (DSG). Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) weist darauf hin, dass das DSG auch auf KI-gestützte Datenbearbeitungen anwendbar ist.

Wichtig: Ein umfassendes Schweizer KI-Gesetz gibt es derzeit noch nicht. Unternehmen müssen beim Einsatz von KI aber bereits heute bestehende rechtliche Vorgaben beachten – insbesondere beim Umgang mit Personendaten.

Parallel dazu arbeitet der Bund an einer künftigen Regulierung. Bis Ende 2026 soll eine Vernehmlassungsvorlage erarbeitet werden. Dabei geht es unter anderem um Transparenz, Datenschutz, Nichtdiskriminierung und Aufsicht.

Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Die rechtlichen Rahmenbedingungen rund um KI befinden sich in Bewegung. Wer KI bereits heute nutzt, muss deshalb nicht auf ein neues Gesetz warten, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Diese Regeln sind für Unternehmen besonders wichtig

KI kann im Unternehmen an ganz unterschiedlichen Stellen zum Einsatz kommen – vom Verfassen einer E-Mail über die Analyse von Informationen bis hin zur automatisierten Kommunikation mit Kundinnen und Kunden. Je nach Anwendung können dabei unterschiedliche rechtliche Fragen entstehen.

Einige Grundsätze sind jedoch bereits heute besonders relevant.

1. Datenschutz und Personendaten

Eine der wichtigsten Fragen lautet: Welche Daten werden in ein KI-Tool eingegeben? Sobald personenbezogene Daten bearbeitet werden, kann das Schweizer Datenschutzrecht greifen. Das gilt auch dann, wenn die Verarbeitung durch ein KI-System erfolgt.

In der Praxis kann das beispielsweise relevant werden, wenn Mitarbeitende Kundendaten, Bewerbungsunterlagen, interne Dokumente oder andere personenbezogene Informationen in ein KI-Tool eingeben. Unternehmen sollten deshalb prüfen, welche Daten verarbeitet werden und ob der jeweilige Einsatz mit den geltenden Datenschutzanforderungen vereinbar ist.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Anwendungen, bei denen die Verarbeitung von Personendaten mit hohen Risiken für die betroffenen Personen verbunden sein kann. Je nach Situation können dann zusätzliche Anforderungen gelten.

2. Transparenz beim Einsatz von KI

Wer mit KI arbeitet, sollte nicht nur darauf achten, was ein System kann, sondern auch darauf, wie es eingesetzt wird. Transparenz spielt sowohl beim Datenschutz als auch bei der geplanten Schweizer KI-Regulierung eine wichtige Rolle.

Für Unternehmen kann das beispielsweise bedeuten, nachvollziehbar zu machen, wenn KI bei bestimmten Prozessen eine Rolle spielt. Besonders relevant wird dies, wenn KI direkt mit Kundinnen, Kunden oder Mitarbeitenden interagiert oder wenn KI Ergebnisse liefert, die für weitere Entscheidungen verwendet werden.

Eine klare Kommunikation schafft dabei nicht nur rechtliche Orientierung, sondern auch Vertrauen im Umgang mit neuen Technologien.

3. Verantwortung und menschliche Kontrolle

Ein KI-System kann Vorschläge machen, Texte erstellen oder Informationen analysieren. Die Verantwortung für den Einsatz eines solchen Systems verschwindet dadurch aber nicht automatisch.

Gerade bei wichtigen Entscheidungen sollten Unternehmen deshalb nicht blind auf KI-Ausgaben vertrauen. Ergebnisse können fehlerhaft, unvollständig oder falsch eingeordnet sein. Eine menschliche Kontrolle kann deshalb entscheidend sein – insbesondere dann, wenn eine Entscheidung Auswirkungen auf einzelne Personen hat.

Unternehmen sollten daher festlegen, bei welchen Anwendungen eine zusätzliche Prüfung durch eine verantwortliche Person erforderlich ist.

4. Faire und nachvollziehbare Entscheidungen

KI-Systeme arbeiten mit Daten. Sind diese Daten unausgewogen oder enthalten sie bestimmte Verzerrungen, können sich solche Muster auch in den Ergebnissen eines Systems widerspiegeln.

Das kann beispielsweise relevant werden, wenn KI bei der Auswahl von Bewerbungen, der Bewertung von Kundinnen und Kunden oder anderen Entscheidungen eingesetzt wird. Unternehmen sollten deshalb prüfen, ob der Einsatz einer KI-Anwendung zu unfairen oder diskriminierenden Ergebnissen führen kann.

Auch die geplante Schweizer Regulierung greift diesen Punkt auf. Die Umsetzung der KI-Konvention des Europarats soll unter anderem den Schutz vor Diskriminierung berücksichtigen.

5. Klare Regeln für Mitarbeitende

Nicht jede KI-Nutzung lässt sich zentral kontrollieren. Mitarbeitende verwenden KI-Tools häufig selbstständig – beispielsweise für Texte, Übersetzungen, Recherchen, Präsentationen oder erste Entwürfe.

Umso sinnvoller ist es, intern einfache und verständliche Regeln festzulegen. Dazu kann beispielsweise gehören, welche Informationen nicht in öffentliche KI-Tools eingegeben werden dürfen, welche Anwendungen für geschäftliche Zwecke freigegeben sind und wann KI-generierte Ergebnisse überprüft werden müssen.

Solche internen Leitlinien schaffen Orientierung, ohne den Einsatz von KI unnötig kompliziert zu machen. Gleichzeitig können sie dazu beitragen, Datenschutz- und Sicherheitsrisiken frühzeitig zu erkennen.

Was kommt bei der KI-Regulierung in der Schweiz?

Die Schweiz arbeitet derzeit an einem eigenen Regulierungsrahmen für Künstliche Intelligenz. Dabei steht unter anderem die Umsetzung der Konvention des Europarats über Künstliche Intelligenz, Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit im Mittelpunkt.

Die Schweiz hat die Konvention im März 2025 unterzeichnet. Sie schafft einen internationalen Rahmen für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI und legt einen Schwerpunkt auf den Schutz von Menschenrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Bis Ende 2026 soll eine Vernehmlassungsvorlage entstehen. Die geplanten gesetzlichen Massnahmen sollen insbesondere Themen wie Transparenz, Datenschutz, Nichtdiskriminierung und Aufsicht berücksichtigen.

Gut zu wissen: Die Schweiz übernimmt nicht einfach den EU AI Act. Sie entwickelt einen eigenen Regulierungsansatz, der unter anderem auf der KI-Konvention des Europarats aufbaut.

Was Unternehmen schon heute tun können

Auch wenn die neue Regulierung noch nicht abgeschlossen ist, können Unternehmen bereits heute einen verantwortungsvollen Umgang mit KI etablieren. Dafür braucht es nicht zwingend ein umfangreiches KI-Regelwerk.

Ein guter erster Schritt ist eine Übersicht darüber, wo KI im Unternehmen bereits eingesetzt wird. Dabei lohnt sich ein Blick auf Tools, Prozesse und Daten: Welche Anwendungen werden genutzt? Welche Informationen werden eingegeben? Und welche Ergebnisse werden anschliessend weiterverwendet?

Darauf aufbauend können Unternehmen einfache interne Leitlinien definieren. Besonders wichtig sind dabei der Schutz von vertraulichen und personenbezogenen Informationen, die Überprüfung von KI-generierten Ergebnissen und die Frage, wann eine menschliche Entscheidung erforderlich ist.

Ebenso sinnvoll ist es, Mitarbeitende für die Chancen und Grenzen von KI zu sensibilisieren. Denn ein sicherer Umgang mit KI beginnt nicht erst bei der Technik, sondern bei der täglichen Anwendung.

Fazit: KI nutzen und trotzdem den Überblick behalten

Die Schweiz befindet sich bei der KI-Regulierung noch mitten im Prozess. Ein übergreifendes KI-Gesetz gibt es derzeit nicht. Gleichzeitig gelten bestehende Vorschriften wie das Datenschutzgesetz bereits heute auch beim Einsatz von KI.

Unternehmen müssen deshalb nicht auf die endgültigen neuen Regeln warten. Wer bereits heute bewusst mit Daten umgeht, KI-Ergebnisse überprüft, Transparenz schafft und klare interne Regeln definiert, ist für die weitere Entwicklung besser vorbereitet.

KI bietet Unternehmen viele Möglichkeiten – von effizienteren Arbeitsabläufen bis hin zu neuen digitalen Angeboten. Entscheidend ist, die Technologie sinnvoll einzusetzen und dabei den Überblick über Daten, Verantwortung und geltende Regeln zu behalten.

Offizielle Informationen zur KI-Regulierung

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